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Beethovens Neunte Sinfonie

1.Eine Brücke der Freundschaft mit Deutschland

Im Jahre 1914 trat Japan in den Ersten Weltkrieg ein und griff die von Deutschland gepachtete chinesische Stadt Tsingtao an. Dabei wurden 4.700 deutsche Soldaten gefangen genommen, von denen ca. 1.000 Mann im Kriegsgefangenenlager Bandō (damals Stadt Bandō, Bezirk Itano, Präfektur Tokushima) interniert wurden. Die Lagerführung, insbesondere der Lagerkommandant Matsue Toyohisa, behandelte die Kriegsgefangenen äußerst respektvoll und ließ ihnen die größtmöglichen Freiheiten. Somit wurde im Lager musiziert, Sport getrieben und Theater gespielt. Überdies gab es einen regen Austausch mit der lokalen Bevölkerung.

2.Der Austausch mit Deutschland

Die einheimische Bevölkerung hatte großes Interesse an Wissen und Kultur der Kriegsgefangenen. Es begann ein Wissensaustausch u.a. in den Bereichen Viehzucht, Süßwarenherstellung, Gemüseanbau, Architektur, Musik und Sport. Die deutschen Soldaten fügten sich mehr und mehr ins Stadtbild von Bandō ein, und überall in der Stadt gab es eine rege Kommunikation mit den „Doitsu-san“ (Herr Deutschland).

(1)Das Leben im Lager

Die Aktivitäten der Lagerinsassen waren erstaunlich. Sie erbauten ca. 80 Einrichtungen, darunter ein Geschäftsviertel, ein Restaurant, eine Druckerei, eine Bibliothek, einen Musiksaal, ein wissenschaftliches Labor, einen Park, Landhäuser usw. Überdies gründeten sie eine Krankenversicherung, eine Post und andere Institutionen, um sich gegenseitig zu helfen. Auch im Kulturbereich gab es eine Fülle von Aktivitäten wie Studierkreise, Vorträge, Sport, Musik und Theater. Vor allem der musikalische Bereich blühte mit mehreren Orchestern und diversen Musikkapellen, mehr als 100 Konzerte wurden veranstaltet. Mitten im Krieg entstand hier so durch respektvollen Umgang miteinander und die Gastfreundlichkeit der lokalen Bevölkerung ein fruchtbarer Austausch.

Mitglieder einer Musikkapelle mit einheimischen Kindern
Organisierende Mitglieder und lokale Kinder

(2)Bleibende Freundschaft

In einer hügeligen Ecke im heutigen Doitsumura Kōen („Park Deutsches Dorf“) stehen zwei Gedenksteine. Im Ersten sind 11 Namen eingraviert. Der Zweite wurde 1976 von deutschen Veteranen aufgestellt. Er ist Teil einer Serie von gleichen Gedenksteinen, die in ganz Japan stehen.  Er enthält alle Namen von den insgesamt 87 deutschen Soldaten, die in japanischenKriegsgefangenenlagern starben. Die Gedenksteine werden auch heute noch mit Sorgfalt von der einheimischen Bevölkerung gepflegt.

(3)Freundschaftsvertrag mit Niedersachsen

Der Austausch der deutschen Kriegsgefangenen mit der lokalen Bevölkerung mündete in Städtepartnerschaften von Naruto und Lüneburg und wurde dann ausgeweitet auf einen Freundschaftsvertrag zwischen der Präfektur Tokushima und Niedersachsen.

Im September 2007 wurde die Partnerschaft zwischen dem Land Niedersachsen und der Präfektur Tokushima unterzeichnet. Durch die Partnerschaft wird u.a. eine breit gefächerte Kooperation in den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Sport und Bildung gefördert.

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens dieser Partnerschaften im Mai 2017 beschlossen die Teilnehmer einen Antrag auf Aufnahme der Nachlässe des Bandō Kriegsgefangenenlagers ins Unesco Weltdokumentenerbe zu stellen. Der Gemeinschafts-Antrag wurde zeremoniell von den Oberhäuptern aller Parteien unterzeichnet: Kamon Iizumi, Gouverneur der Präfektur Tokushima; Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen; Michihiko Izumi, Bürgermeister von Naruto; und Ulrich Mädge, Bürgermeister von Lüneburg.

(27. Mai 2017)

3.Die erste Aufführung der 9. Sinfonie in Japan

Am 1. Juni 1918 wurde die gesamte „9. Sinfonie“ von Beethovens Werk, welches nach einem Text von Schiller „Menschenliebe“ thematisiert, durch deutsche Kriegsgefangene zum ersten Mal in Japan aufgeführt. Möglich gemacht wurde diese Uraufführung durch die humanistische Behandlung der Gefangenen durch die Lagerführung, insbesondere des Kommandanten Matsue Toyohisa.Es entwickelte sich ein reger Austausch zwischen den deutschen Soldaten und der lokalen Bevölkerung, der Ländergrenzen vergessen ließ. Die in der 9. Sinfonie thematisierte Menschenliebe ist bei dieser historischen Begebenheit Wirklichkeit geworden.

Das Tokushima Orchester und der Chor
Das Programmblatt der ersten Aufführung der 9. Sinfonie
Das Programmblatt der ersten Aufführung

Eine Ode an die Freude hallt durch Tokushima, Ort der ersten japanischen Aufführung der 9. Sinfonie

Beethoovens 9. Sinfonie zählt in Tokushima zu den vier Motiven der „Awa-Kultur“. Um die Ausstrahlungskraft dieser Tradition weiter zu fördern, wird das Musikstück zweimal beim Nationalen Kulturfestival Japans aufgeführt.

2018 ist das hundertjährige Jubiläum der ersten Aufführung der 9. Sinfonie in Asien. Die im Fiskaljahr 2015 gestartete Aufführungsreihe „Hop, Step, Jump“ soll die Bedeutung der 9. Sinfonie für die Präfektur Tokushima in Japan und der ganzen Welt kundtun.

In diesem Fiskaljahr (April 2017 bis März 2018) – dem „Jump Jahr“ des Projekts -  wird die einhundertste Jubiläumsaufführung der 9. Sinfonie am 12. Februar 2018 (Montag/Feiertag) stattfinden.

 

Eine Ode an die Freude hallt durch Tokushima, Ort der ersten japanischen Aufführung der 9. Sinfonie (4K)

Aufführung von Beethovens 9. Sinfonie (2.12.2017). Foto: Michiharu Ōkubo
(2.12.2017). Foto: Michiharu Ōkubo